25.1.2012
Ambulante Versorgung psychisch kranker Menschen
Etatberatungen im Landtag: Mehr Geld für sozialpsychiatrische Dienste
Die Fraktion GRÜNE im Landtag von Baden-Württemberg setzt sich für eine Stärkung der ambulanten und gemeindenahen Versorgung von psychisch kranken Menschen ein und stärkt damit auch den ländlichen Raum. Dies zeigt sich jetzt wieder in den laufenden Haushaltsberatungen zum Etat des Sozialministeriums: Mit einer Erhöhung der Mittel für die Sozialpsychiatrischen Dienste um 2 Mio. Euro im Haushaltsjahr 2012 und damit der Rücknahme einer Kürzung der Mittel unter der alten Landesregierung, setzt die Fraktion GRÜNE mit Unterstützung der SPD hier ein wichtiges Zeichen.
Für diese Stärkung der ambulanten Versorgung gibt es nach Auffassung von Wolfgang Raufelder, GRÜNER Landtagsabgeordneter und Mannheimer Stadtrat, gute Gründe: „Seit Jahren ist eine signifikante Zunahme psychischer Erkrankungen zu beobachten. Die Zahl der Kranken hat in den letzten zwanzig Jahren um 129 Prozent zugenommen. Hinter dieser Zahl verbirgt sich, dass mindestens jeder dritte Bürger einmal im Laufe seines Lebens psychisch erkrankt und behandlungsbedürftig wird. Aus Erfahrung wissen wir, wie wichtig in diesem Zusammenhang sorgsam gestellte Diagnosen sowie eine individuelle und wohnortnahe Behandlung und Begleitung des einzelnen Menschen sind.“
Sozialpsychiatrische Dienste stellen nach Auffassung der Grünen im Landtag einen wichtigen Baustein in der ambulanten Versorgung von psychisch kranken und seelisch behinderten Menschen dar. „Gerade diese wohnortnahe Versorgung ist es, die viele psychisch Kranke dringend benötigen“, sagte Raufelder. Besonders in ländlichen Regionen ist diese Versorgung teilweise gefährdet. Die Fraktion GRÜNE setzt sich mit einer Mittelerhöhung im Bereich der Sozialpsychiatrischen Dienste also speziell für eine gute Versorgung im ländlichen Raum ein.
Sozialpsychiatrische Dienste begleiten psychisch kranke Menschen, die Schwierigkeiten haben ihren Alltag allein zu bewältigen und einer geregelten Arbeit nachzugehen. Mit Beratung und Gesprächen, sowie mit regelmäßigen Kontakten unterstützen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diese Menschen und helfen Klinikaufenthalte zu vermeiden. Raufelder: „Die Sozialpsychiatrischen Dienste zeichnen sich durch ihre unbürokratische Herangehensweise und ihre Niederschwelligkeit aus. Sie erreichen Menschen dort, wo sie zuhause sind. Sie sind schnell erreichbar und helfen den Menschen, die in dieser Gesellschaft kaum eine Lobby haben.“
Psychische Belastungen durch gesellschaftlichen Stress und systematische Reizüberflutung haben stetig zugenommen. Die Tragfähigkeit sozialer Beziehungen wird heute häufiger denn je auf die Probe gestellt. „Ich denke, dass man auf diese veränderten Rahmenbedingungen am besten mit einer gemeindenahen und ambulanten psychiatrischen Versorgung reagieren kann“, so Raufelder.
Die Erhöhung der Mittel für die Sozialpsychiatrischen Dienste im Jahr 2012 wird hier nur der Anfang für einen gesellschaftlichen Aufbruch sein. Ein zentrales Anliegen grüner Gesundheits- und Gesellschaftspolitik ist es die Bedürfnisse psychisch kranker Menschen in den Mittelpunkt des politischen Handelns zu rücken. Die Fraktion GRÜNE will deshalb ein allumfassendes „Psychisch Kranken Hilfegesetz“ für Baden-Württemberg mitgestalten, welches das Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmungs- und Schutzrechten abbilden wird und einen einklagbaren Anspruch auf erforderliche Hilfen enthalten soll.